Historische Kunstfigur in neuem Glanz: Die Goldene Madonna

Hinter Glas und sicher geschützt steht die Goldene Madonna im Essener Dom. Doch selbst da bleibt die wertvolle Figur nicht von Staub und Ruß verschont. Nun wurde eine der wichtigsten mittel-alterlichen Kunstfiguren des Ruhrgebiets von einer Restauratorin auf neuen Hochglanz gebracht.

Vorsichtig fassen Andrea Wegener und Anke Freund an die vergoldeten Stuhlpfosten, heben die Figur Zentimeter für Zentimeter aus dem Glaskasten. Dann stellen sie die Goldene Madonna auf ein Holzbrett, fixieren sie mit vier Holzklötzen. Es ist dunkel in der kleinen Seitenkapelle des Essener Doms, nur wenige Strahler leuchten direkt auf den nun leeren Glaskasten. Mit einer Taschenlampe sorgen die beiden Frauen für mehr Licht, um die wertvolle Kunstfigur behutsam zu befestigen.

Andrea Wegener, Leiterin der Domschatzkammer, gibt genaue Anweisungen: „Einer muss vorgehen und warnen, wenn Stufen kommen und dafür sorgen, dass alle Türen geöffnet sind.“ Dann greift sie zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Daniela Kaufmann und Dombaumeister Ralf Meyers die Holzplatte, auf Kommando heben sie die Madonna an, bewegen sich vorsichtig aus der Tür der Seitenkapelle.

Ruß gelangt aus der Luft auf die Kunstfigur

Nach einigen Minuten ist es geschafft. Erleichtert lädt Andrea Wegener die Goldene Madonna auf einem Tisch in einem anderen Raum des Domkomplexes ab. Dort soll sie nun gereinigt werden. Ein seltenes Ritual, das nur alle sechs bis sieben Jahre passiert. „Das Tragen ist das Aufregendste und etwas ganz Besonderes, man muss an alles denken“, sagt Wegener.

Restauratorin Anke Freund schaut auf ihre Handschuhe. Auf dem weißgelben Gummi sind einige graue Flecken zu erkennen. „Das sieht aus wie Ruß“, vermutet sie. Vor allem die große Kerze in der Seitenkapelle und die kleinen Teelichter vor dem Gitter geben viel Ruß in die Luft ab. Auch wenn der Glaskasten so luftdicht wie möglich ist und eine Filteranlage hat, gelangen immer wieder kleine Mengen hinein und setzen sich auf der vergoldeten Holzfigur ab, erklärt Dombaumeister Meyers.

Mit einem Gummiblasebalg pustet die Restauratorin Luft von oben nach unten über Maria und das Christuskind. Aus einem schwarzen Federmäppchen holt sie eine kleine Bürste, wie eine Zahnbürste, nur mit Holzgriff. Damit entfernt sie Staub und Ruß von Kopf und Körper der mit Goldblech überzogenen Figur. Dann taucht sie ein schmales Wattestäbchen in ein Plastikfläschchen mit organischer Lösung. Sanft fährt sie mit dem Stäbchen über die goldenen Falten des Umhangs.

Maß nehmen für ein Forschungsprojekt

Dieses Mal muss die mittelalterliche Figur aber nicht nur Putzstäbchen an sich heran lassen, auch das Maßband wird angelegt. Die genaue Breite und Länge der zwei Schmuckbroschen auf Marias Brust sollen gemessen werden. „Diese Daten liefern wir dann an ein Forschungsprojekt“, erklärt Andrea Wegener. Außerdem bekommt das Christuskind seinen Nimbus, den Heiligenschein, wieder auf den Kopf gesetzt.

Nach vier bis sechs Stunden ist Anke Freund fertig mit der sanften Reinigung. Vorsichtig wird die Goldene Madonna dann wieder in ihren Glaskasten gebracht. Einige Jahre müssen sich die Mitarbeiter der Domschatzkammer nun wieder gedulden, bis sie die Goldene Madonna so nah wie sonst nie betrachten können: „Eine der wichtigsten mittelalterlichen Kunstwerke des Ruhrgebiets.“

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